Bericht Aachener Zeitung vom 23.05.2011

Konzen. Plötzlich geht alles ganz schnell: Ein Schrei, das Licht geht aus, und dann liegt er auch schon da - Hermann Kessel, der renommierte Winzer und Weingutbesitzer.

Schon beim Aperitif hat der gute Mann das Zeitliche gesegnet und rasch zeigt sich, dass aus der ach so ehrbaren Gutsfamilie so ziemlich jeder für die Tat in Frage kommt. Hat die hübsche Weinkönigin Tatjana I. ihre gepflegten Finger im Spiel? Oder der Bruder des Winzers mit strengem ökologischen Anspruch? Die ehrgeizige Sommelière Elke scheint auch nicht immer zu sagen, was sie weiß, und Emilia, die Ehefrau, pardon Witwe von Hermann, macht sich durch ihre naive Art trotz Alibi verdächtig.

Hermann Kessels' Schulfreund, Dr. Joachim Gansmüller, Weinliebhaber und Kommissar für Reblausbekämpfung, entpuppt sich an diesem Abend als Hobbykriminalist. Dass der Winzer mit einem Schädlingsbekämpfungsmittel vergiftet wurde, muss der schrullige Kommissar Rigobert Baum mühsam aus den vielen Verdächtigen herauskitzeln.

Die mitratenden Gäste erfahren vom Läusegift im Likör zum Glück erst nach dem dritten Gang, denn sonst würde ihnen sicher der Bissen im Halse stecken bleiben. Und das wäre wirklich zu schade gewesen bei dem exzellenten Viergänge-Menü, dass Klaus Zimmermanns, Koch der Monschauer «Hubertusklause», in seiner mobilen Küche auf dem Konzener Dorfplatz und mit einem großen Küchenteam auf die festlich gedeckten Tafeln gezaubert hatte.

Eine Theateraufführung mit einem Mehr-Gänge-Menü zu verbinden und die komplette Handlung mitten in der dinnierenden Zuschauerschaft spielen zu lassen, ist natürlich keine Idee der Konzener Theatermacher, sondern liegt gerade bei Laien- wie Profibühnen landauf, landab voll im Trend. Und so entwickelten im vergangenen Jahr auch Stefan Herbst und seine Mannschaft den Wunsch, sich dieser Herausforderung einmal zu stellen.

«Es war für uns absolutes Neuland», gestand der «Concordia»-Vorsitzende nach der gelungenen Premiere erleichtert. «So hautnah und mitten im Publikum zu spielen, ist schon etwas ganz Anderes», berichtete er. Schließlich gab es bei einer so offenen Bühne keine Möglichkeit, Souffleusen zu verstecken. «Wenn man mit dem Text hängt, muss man sich dann halt gegenseitig helfen», verriet Jennifer Call, die die Sommeliére spielte.

Regiestuhl statt Obduktion

Neben ihr glänzten Josef Werker als Eifel-Columbo, Marco Völl als dessen Steigbügelhalter und Giftexperte, Ramona Huppertz als Weinkönigin, Renate Preiss als untreue Ehefrau des Opfers und Markus Förster als Öko mit Schmetterlingsnetz. Nach seinem Kurzeinsatz als Leiche, die vom Publikum noch vor der Spargelcremesuppe herausgetragen wurde, wechselte Stefan Herbst auf den Regiestuhl hoch über den Zuschauern.

Auf der Empore des MuK saß im schummrigen Licht auch Bertram Model und unterhielt die Gäste zwischen den Gängen mit gefühlvollem Pianobar-Flair. Alexander Preis (Technik), Steffi Krings (Maske), Sandra Förster (Plakate) sowie Rudolf Huppertz, Sabine Skoupy, Manfred Jansen und Andrea Werker (Bühne und Deko) wirkten hinter den Kulissen.

Und während die Gäste es sich bei geräuchertem Lachs, Poularde und getrüffeltem Pürree gut gehen ließen, ließ der Kommissar die Handschellen erstmal bei den Falschen klicken, um das Publikum gänzlich in die Irre zu führen. Viele der aufmerksamen Zuschauer notierten dennoch den richtigen Namen, der hier natürlich nicht verraten werden darf. Denn schließlich stirbt Hermann Kessel am kommenden Wochenende noch zweimal im Konzener MuK.

Wer sich den - in jeder Hinsicht - köstlichen Theaterschmaus nicht entgehen lassen möchte, muss sich beeilen: Für Freitag sind noch 14, für Samstag nur noch neun der 64 Plätze frei.